Donnerstag, 1. Mai 2008

Wald in Papua

Wald in Papua: Daten und Fakten

von Marianne Klute, Watch Indonesia!

Beitrag bei der Wald-Konferenz des West-Papua-Netzwerkes in Witten am 26. Januar 2008

„The Last Frontier“ – Die Letzte Front, so nennt die Umweltorganisation Telapak den Wald von Papua. In den vergangenen Jahrzehnten fiel überall in Indonesien der Wald dem Kahlschlag zum Opfer. Papua ist das letzte Gebiet mit noch großen, zusammenhängenden intakten Wäldern. Seit ein paar Jahren aber ist Papua zu einem Hotspot der Holzindustrie geworden. Im Zeitraffertempo verschwindet der Wald, und Polizeimaßnahmen gegen den illegalen Holzeinschlag haben wenig bewirkt. Neue Bedrohungen sind die Pläne der indonesischen Regierung, in Papua riesige Palmölmonokulturen und Zellstoffplantagen anzulegen. Maßnahmen zur Rettung des Waldes stoßen auf Widerstand oder greifen (noch) nicht.

Wald in Indonesien

Südostasien gehört zu den drei bedeutenden Gebieten der Erde, die noch über tropischen Regenwald verfügen, neben Amazonien und Zentralafrika. 1950, kurz nach der Unabhängigkeit, war Indonesien noch zu 84% bewaldet.

Zwei Eckdaten kommen markanten Einschnitten in der Abholzrate gleich: 1985 und 1997. Bis 1985 hat Indonesien schon ein Drittel seiner Wälder verloren. Danach aber setzte eine neue Form großindustrieller Abholzung ein. Ursachen dafür waren neue technische Möglichkeiten, auch Urwaldriesen zu verarbeiten, Investitionen internationaler Kapitalgeber in die Holz- und Papierindustrie, sowie der Eintritt der Kinder und Cronies Suhartos ins Geschäftsleben. Diese schafften es mithilfe großflächiger Konzessionen, den Wald innerhalb von nur zwölf Jahren um 33% zu dezimieren.

1997 ist doppelt in Indonesiens Geschichte eingegangen, als der Beginn der Asienkrise, die den Sturz Suhartos einläutete, und als das El-Niño-Jahr mit den verheerenden Auswirkungen der Wetterlage auf die alljährlichen Waldbrände. Die Abholzung hat nach dem Sturz Suhartos im Zuge der Dezentralisierung und der damit verbundenen Anarchie im Waldbereich drastisch zugenommen. Heute ist weniger als 20% Wald des Staates bewaldet.

Landmasse Indonesien 1,919 Mio. km2 bzw. 192 Mio. Hektar
(= etwa Fläche des australischen Kontinents)

davon bewaldet

l vor 1950 84 %

l 1985 60 %

l 1997 40 %

l 2008 <>

Die Abholzung ist auf den einzelnen Inseln sehr unterschiedlich. Große zusammenhängende Regenwaldgebiete hatte Indonesien nach der Unabhängigkeit vor allem auf den Inseln Sumatra mit fast 80%, Kalimantan mit etwa 94% und Papua, das bis auf einige Savannen, Sümpfe und die wenigen Orte fast vollständig bewaldet war. In der Suharto-Ära floss ein Großteil der Tropenbäume Sumatras in die Papier- und Zellstoffindustrie und die Palmölindustrie. Nennenswerten Tieflandregenwald hat Sumatra seit gut zwei Jahren nicht mehr zu bieten. Dagegen überziehen heute endlose Plantagen die Insel. In Kalimantan ist die Situation noch bedrückender. Mit dem Ende der Suhartozeit war dort die Hälfte des Waldes weg. Kalimantan besteht heute zu einem großen Teil aus degradiertem, ökologisch kritischem Land, und das Ende des Tieflandregenwaldes ist unmittelbar in Sicht.

1950

1985

1997

Ende*

Sumatra

79,7%

48%

35%

2005

Kalimantan

93,6%

74%

55%

2010

Papua

99,3%

85%

81%

2007: ca. 70%

2022

Java

38,1%

10%

14%

* Tieflandregenwald

Kahlschlag in Papua

Legal – illegal

Im Vergleich mit den anderen Inseln Indonesiens hat Papua noch relativ viel Wald. Doch der Kahlschlag hat hier seinen Tribut gefordert; besonders seit 2001 wird massiv abgeholzt. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, hat Papua in fünfzehn Jahren keinen Tieflandregenwald mehr. Was vor zehn Jahren noch unvorstellbar war, ist für einige Gegenden Papuas heute Realität: degradierte Böden und ökologisch kritische Flächen mit nicht mehr intakten Ökosystemen.

Seit 2000 sind sehr viele Holzeinschlagskonzessionen (HPH, Hak Pengusahaan Hutan) vergeben worden, was zur Folge hat, dass in einem Zeitraum von sieben Jahren der legale Holzeinschlag um das Zehnfache stieg. Da die HPH die Basis für Missbrauch bilden, hat sich entsprechend der illegale Holzeinschlag drastisch erhöht. Die HPH überschreiten ihre Befugnisse bei weitem, missbrauchen den Spielraum, arbeiten mit gefälschten Papieren, dringen in Nationalparks ein udgl. Daneben sind illegale Holzunternehmen tätig. Wir schätzen den Anteil des illegalen Holzes aus Papua auf 90%. Nirgendwo sonst in Indonesien ist der Prozentsatz so hoch.

Internationale Konzerne, lokale Politiker und Militärs - alle sind in das Geschäft verwickelt. Für das Militär ist Papua nicht zuletzt deshalb so lukrativ, weil bis in die niedrigsten Ränge hinein am Holz verdient werden kann, auch indirekt, indem Soldaten von den Dorfbürgermeistern Bezahlung verlangen. Diese werden unter Druck gesetzt und sind, in Ermangelung von Vermögen und Einkommen, gezwungen, Bäume zu fällen und zu verkaufen. Die Gewinnspanne ist hoch. Für einen Kubikmeter Festholz bekommen die Papua zurzeit 100.000 Rupiah ( 8 Euro). Das Endprodukt (Parkett mit Herkunftsnachweis Malaysia oder China, wo es kein Merbau gibt) kostet pro Kubikmeter rund 2.000 Euro.

Telapak hat festgestellt, dass monatlich 300.000 Kubikmeter Merbau Papua verlassen (2005). Täglich stechen Schiffe in Richtung Malaysia und China in See, beladen mit Merbau. Allein in der südchinesischen Provinz Hainan sind ab dem Jahr 2000 mehr als fünfhundert neue Holz verarbeitende Fabriken aus dem Boden gestampft worden. Hier wird das Merbau für den Weltmarkt verarbeitet, für Parkettböden und Gartenmöbel.

Die Abholzung, nicht nur von Merbau, ist so brutal, dass gerade die wertvollsten Arten wie Agarholz (Gaharu) kaum noch zu finden sind. Auch Merbau ist inzwischen gefährdet; indonesische Experten bemühen sich darum, dass Merbau in die CITES-Liste der bedrohten Arten aufgenommen wird, womit jegliches Merbau illegal werden würde.

Die Sonderautonomie spielt ebenfalls eine Rolle bei der Abholzung. Einzelne Kabupaten (Distrikte) setzen auf Holz zur Finanzierung ihres Haushalts und auf Konzepte der Agroindustrialisierung. Dazu gehören Plantagen für Palmöl, Zellstoff und andere Kommoditäten wie Kakao.

Neue Bedrohungen für den Wald kommen aus zwei Bereichen: dem expandierenden Palmölsektor für die Produktion von Agrotreibstoff („Bio“diesel) und, paradoxerweise, aus dem Handel mit Emissionszertifikaten zur Rettung des Waldes. Beide Tendenzen bewirken, dass internationale Unternehmen sich beeilen, Land und Wald in Papua zu kaufen. Ein ähnlicher Ansturm auf die letzten Flächen, entweder für den Anbau von Biomasse für die Energieproduktion oder für die Bewahrung von Wäldern für den Kohlenstoffhandel, ist weltweit zu beobachten.

Seit 2001 beobachten wir folgende Entwicklungen:

l Extreme, vor allem illegale Entwaldung

l Papua ist “the last frontier” trans-nationaler Unternehmen

l Militär spielt Rolle in Abholzung

l Kabupaten (Distrikte) setzen auf Agroindustrialisierung

l Mitte 2007 beginnt Aufteilung der Flächen für Ölpalmplantagen und für Handel mit Emissionszertifikaten

Illegaler Holzeinschlag

l Holzeinschlag und Holzproduktion stieg seit 2000 um das Zehnfache (legal)

l Illegaler Holzeinschlag beträgt örtlich 90%

l Hauptabnehmer sind Malaysia und China (500 neue Holzbetriebe in Hainan)

l Einige Holzarten sind seit 2002 nicht mehr auf dem legalen Markt, z.B. Gaharu

l Folge sind degradierte und ökologisch kritische Flächen

Lizenzen und Souveränität

Hohe Profite und hoher Konsum sind Ursachen für den Raubbau. Eine weitere Ursache für die Gefährdung des Waldes ist in der indonesischen Verfassung und relevanten Gesetzen (Forstgesetz, Plantagengesetz, Bergbaugesetz) begründet, die Land, Wald, Wasser und deren Ressourcen als Eigentum des Staates betrachten. Der Staat hat also die Souveränität über das Land, nicht die Menschen.

Indonesien ist fast gänzlich aufgeteilt und an Unternehmen vergeben. Ein Blick auf die Karte „Konzessionen“ zeigt, dass nur wenige Gebiete nicht in der Hand von Holz-, Papier-, Plantagen- und Minen-Unternehmen sind. Es gibt nur wenige „weiße“ Flecken, das Gros davon in Papua. Nur hier also ist noch „Luft“.

Jakarta entscheidet nach dem Prinzip der Souveränität des Staates über den Wald über die Vergabe von großflächigen Konzessionen, auch in den Provinzen. In der Holzindustrie sind dies die so genannten Waldnutzungsrechte HPH und seit kurzem IPK (Izin Pemanfaatan Kayu), in einer Größenordnung von i.A. 100.000 bis 1.000.000 Hektar.

Nach Regierungsdaten sind in Papua an Holzunternehmen HPH über mehr als 14 Millionen Hektar vergeben: im Vogelkopfgebiet, um die Bintuni-Bucht, im Norden, sowie im Süden in Mappi und Boven Digul. Ausnahme ist nur das Hochland. Fast eine Million Hektar sind in den Händen der Papierindustrie, und mehr als eine halbe Million Hektar gehören Plantagenunternehmen. Dazu kommen noch die Konzessionen für den Berg- bzw. Tagebau.

Konzessionen

l Holzindustrie (HPH) 14.410.351 ha

l Papierindustrie (HTI) 916.397 ha

l Plantagen (HGU) 570.497 ha

(Karte der HPH siehe http://www.papuaweb.org/gb/peta/fwi/05.jpg).

Die Frage nach der Legalität oder Illegalität von Holz gewinnt durch die Praxis der Konzessionsvergabe durch die Zentralregierung an Brisanz. Als illegal wird das Holz definiert, das über keine oder über gefälschte Papiere verfügt. Holz der Firma eines Multimillionärs aus Jakarta, Kuala Lumpur oder Seoul kann legales Holz sein, ebenso wie totaler Kahlschlag für die Anlage von Plantagen. Illegal ist Holz ohne Papiere, sogar gewöhnliches Brennholz für den Hausgebrauch könnte als illegal betrachtet werden.

Der Besitz einer Konzession bedeutet nicht, dass diese wirklich genutzt wird. Beispiel sind die Ölpalmfirmen, die zwar eine halbe Million Hektar besitzen. In der Realität aber ist kaum ein Zehntel davon mit Ölpalmen bepflanzt. Die Praxis der Konzessionsvergabe hat aber, ungeachtet der tatsächlichen Verhältnisse, zur Folge, dass die trans-nationalen Unternehmen Papuas Wälder ausbeuten können, die indigene Bevölkerung dagegen ihre Landrechte verloren hat.

Mit dem Sonderautonomiegesetz haben die Distrikte neue Aufgaben und Rechte bekommen. Sie können selbst Genehmigungen für Holzeinschlag vergeben, wenn diese kleiner sind als 100.000 Hektar (bis 2007: < style="">Adat) Rechte gelten und den Gemeinden entsprechende Genehmigungen zur Nutzung auf der Basis traditioneller Rechte aussprechen (IPKMA = Izin Pemanfaatan Kaya berbasis Masyarakat Adat). In Papuas Wäldern prallen deshalb nationale und lokale Interessen aufeinander, denn Jakarta behält sich das Recht der Souveränität über Land und Wald vor. Konflikte sind auf lange Sicht vorprogrammiert.

Status und Realität

(siehe Karte: http://www.west-papua-netz.de/images/upload/Papua_Waldkarte.jpg)

Grundlage für alle Genehmigungen ist der Status des Waldes, der immer noch vom nationalen Forstministerium vorgegeben wird. Dabei ist der Status des Waldes nicht unbedingt identisch mit dem tatsächlichen Zustand. Das indonesische Modell beruht auf einer rein an der Produktivität des Waldes ausgerichteten Haltung. Grob unterschieden wird zwischen 1. Produktionswald, in dem selektiv gefällt werden darf, 2. Konversionswald, der für den Kahlschlag frei gegeben ist, um Platz für Plantagen zu machen, und 3. geschütztem Wald.

Status der Wälder Papuas

(Landmasse Papuas = 422.248 km2 bzw. 42,2 Mio. Hektar; entspricht etwa der Fläche der Bundesrepublik und Österreichs zusammen)

Nach den Daten der indonesischen Regierung haben 32 Mio. Hektar den Status Wald (bei einer Gesamtfläche von 42,2 Mio. Hektar). Im Detail:

l Produktionswald 11,3 Mio. ha

l Konversionswald 9,3 Mio. ha

l Schutzwald 10,6 Mio. ha

Rettung des Waldes

Polizeimethoden

Wer heute nach Papua reist, wird Unmengen von konfiszierten, vor sich hin rottenden Merbaustämmen sehen. Dies ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des Forstministeriums in Jakarta mit lokalen Behörden und der Polizei. Mit Polizeirazzien (Operasi Hutan Lestari I und II, 2002-2006) haben die Behörden versucht, den illegalen Holzeinschlag in den Griff zu bekommen. Tatsächlich wurde so viel Holz beschlagnahmt, dass wir den Schluss ziehen müssen, ALLE Unternehmen arbeiteten illegal. NGOs in Papua empfehlen, das System der HPH- Konzessionsvergabe abzuschaffen, keinem Unternehmen mehr den Holzeinschlag zu erlauben und vor allem keine neuen HPH zu genehmigen.

Bei den Polizeirazzien wurde mehr Holz beschlagnahmt, als die Polizei erlaubt, sprich: mehr, als Papua offiziell und legal produziert. Beispiel (nach Angaben der NGO Yasoil): Allein in Sorong wurden bei der OHL II 63.000 m3 Holz, bzw. 13.000 Baumstämme, konfisziert. Diese Menge entspricht der gesamten legalen Jahresproduktion von Sorong. Ein anderes Rechenbeispiel aus den Polizeiakten: Innerhalb von nur 2 Wochen wurden 52.607 Baumstämme, sechs Schiffe, sechs Schnellboote, sechzehn Lastwagen, 29 Kettensägen (auch Stihl-Sägen aus Deutschland), 568 Bulldozer und anderes schweres Gerät konfisziert. Auf der Liste der polizeilich gesuchten Personen stehen 47 Leute, darunter auch bekannte Geschäftsleute aus Jakarta und Malaysia. Immerhin gelang es, sechs Personen zu verhaften, aber nur kurzfristig. Sie wurden wieder laufengelassen...

Angesichts der Beschlagnahmungen sprechen Polizei und Forstbehörden von einem “großen Erfolg”. Es heißt, es gebe keinen illegalen Holzeinschlag mehr. Doch trotz der beeindruckenden Ergebnisse der OHL hat der Export von illegalem Holz aus Papua nicht nachgelassen. Die Holzmafia, nicht dumm, benutzt neue Methoden. Im Zuge der Sonderautonomie können seit 2002/3, wie oben erwähnt, die Papua-Gemeinden bzw. Dorf-Kooperativen eine Holzeinschlagsgenehmigung (Izin Pemanfaatan Kayu Masyarakat Adat, IPKMA), auf der Basis von indigenen Landrechten, hak ulayat, erhalten. Mithilfe dieser Dokumente operieren die Illegalen seither.

Nachhaltige Forstpolitik

Die Frage ist, wie dem illegalen Holzeinschlag innerhalb Papuas beizukommen ist, ohne eine Änderung der nationalen Forstpolitik, ohne dass an der in der Verfassung vermerkten nationalen Souveränität des Staates über Land gerüttelt wird, ohne einen Paradigmenwechsel bei der Bestimmung des Waldstatus und der Praxis der Konzessionsvergabe durch Jakarta.

Die Regierung von Papua ist sich sehr wohl der komplexen Probleme bewusst. Sie hat ein Konzept zur nachhaltigen Forstwirtschaft entwickelt. Agus Sumule, der Berater des im Dezember 2006 gewählten Gouverneurs Suebu, hat dieses Konzept auf der Autonomietagung des West-Papua-Netzwerkes im März 2007 vorgestellt. Das Konzept ist mutig. Als erstes sollte der Export von Holz verboten werden, was inzwischen geschehen ist. Aber zu dem Konzept gehört mehr als die Eindämmung des illegalen Holzeinschlags. Die Papua selbst sollen am Holz verdienen, indem sie eigene Unternehmen bewirtschaften. Forstbeamte sollen nachhaltiges Forstmanagement lernen.

Diese Prinzipien allein sind Kampfansagen an die Ausbeutung durch Jakarta und die transnationalen Multis. Eine echte Herausforderung an die nationale Identität des Staates aber ist die Aussage: “Der Wald gehört den Menschen und nicht dem Staat”.

Prinzipien der neuen Forstpolitik der Provinz Papua

l Totales Verbot von Export von Holz

l Landrechtskonflikte angehen, indem (den Papua) der Zugang zum Wald gesichert wird – denn “der Wald gehört den Menschen, nicht dem Staat”

l Effizienz von Verwaltung und öffentlichen Dienstleistungen

l Qualität im Forstmanagements

l Klare gesetzliche Regelungen

l Stärkung von kleinen und mittelständischen Unternehmen der Waldbewohner

Wald retten und Geld verdienen

Der Erhalt der Wälder als Kohlenstoffsenken ist ein bedeutender Faktor bei der Bewältigung der Erderwärmung. Bisher aber gibt es im Rahmen des Kyoto-Protokolls noch keine Mechanismen der Finanzierung. Erst auf der Weltklimakonferenz im Dezember 2007 hat die Weltbank dieses Modell vorgestellt, bei dem Staaten und Industrien einen Ausgleich für ihre Emissionen zahlen sollen, der dann dem Wald zugute kommen soll. Dieses Modell ist unter dem Begriff REDD (Reduced Emissions from Deforestation and Degradation) bekannt geworden. (zur Weltklimakonferenz in Bali: SUARA 1/2008)

Barnabas Suebu, der Gouverneur der Provinz Papua, kennt ähnliche Modelle aus seiner Amtszeit als Botschafter in Mexiko und findet sie geeignet, den Wald zu retten und gleichzeitig mit Emissionszertifikaten Geld zu verdienen. Ein halbes Jahr vor der Weltklimakonferenz, im April 2007, hat Papua mit der Weltbank ausgehandelt, eine Million Hektar aus den 9,3 Millionen Hektar mit dem Status „Konversionswald“ herauszunehmen und in einem von der Weltbank finanzierten Projekt zu schützen.

Eine Idee, die Sinn macht, aber ihre Haken hat. Kaum war der Beschluss gefasst, witterten manche eine neue Geldquelle. Denn der Besitz von Wald zum Schutz des Klimas könnte für Unternehmen lukrativ sein. Daher beobachten wir seit Mitte 2007 einen neuen Ansturm auf Papuas Wälder.Eine Reihe von Bupati (Distriktvorsteher) erhielten Besuch von Emissionshändlern. Inzwischen sind etliche Verträge abgeschlossen worden. (Eine Betrachtung der Rolle Papuas beim REDD-Modell und der mit REDD verbundenen Bedenken: http://www.watchindonesia.org/CarbonDealers.htm)

Abgesehen von der Frage, wer Nutznießer der Finanzströme sein wird, ist das Modell als solches kritisch zu betrachten. Zum einen besteht die Gefahr eines greenwashing, wenn nur ein kleiner Teil des Waldes erhalten, der weitaus größere jedoch aufgegeben wird. Kritische Stimmen befürchten, dass dies zu wenig ist, um positive Auswirkungen auf den Klimawandel zu haben. Zum anderen wird kaum zu verhindern sein, dass die indigenen Papua auf der Verliererseite sein werden, wenn sie keine Landtitel haben und aus REDD-geschützten Wälder möglicherweise ausgeschlossen/vertrieben werden.

l REDD: Reduced Emissions from Deforestation and Degradation

l April 2007: Beschluss, 1 Mio Hektar des Konversionswaldes mit REDD Mechanismus zu erhalten. Finanzierung u.a. durch Weltbank

l Ab Juni 2007: obskure Karbonhändler verhandeln mit Bupati

l Dezember 2007: Bali Konferenz vertagt REDD auf 2009

Palmöl

Die indonesische Regierung reagiert auf den globalen Energiehunger mit dem „Bio“dieselboom mit der Planung von 20 Millionen Hektar Ölpalmplantagen. Mindestens fünf Millionen Hektar davon soll Papua bereitstellen. Es könnte sogar bedeuten, dass die 9,3 Mio. ha Konversionswald für Plantagen vorgesehen sind. Die ersten Abkommen für Megaplantagen und entsprechende Infrastruktur wurden im Januar 2007 unterzeichnet. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono setzt Papua unter Druck, diesen Programmen Jakartas stattzugeben.

Agrotreibstoffboom bewirkt massive Expansion der Ölpalmplantagen

Hektar

1985

600.000

1999

3.000.000

2005

5.600.000

2007

6.400.000

2025

26.000.000*

davon PAPUA

5 – 9.300.000?

(Quelle: indonesisches Landwirtschaftsministerium) *geplant

Papuas Plantagenwirtschaft ist bisher nicht groß. Von gewisser Bedeutung sind Kakao, Kokos und Ölpalmen. Nach Angaben der Plantagenbehörde (Dinas Perkebunan Provinsi Papua) sind in beiden Papua-Provinzen keine 50.000 Hektar mit den drei Kommoditäten (Kakao, Kokos, Ölpalmen) bepflanzt, während bis Ende 2006, also noch vor der starken Nachfrage nach Palmöl für Agrotreibstoffe und Blockheizkraftwerke allein die Palmölkonzerne schon über 500.000 Hektar verfügten.

Plantagen 2007

l Kokos 286 ha

l Kakao 7.127 ha

l Ölpalmen jung 15.000 ha

l Ölpalmen produktiv 23.814 ha

Größere „produktive“ Ölpalmplantagen bestehen derzeit nur bei Jayapura (Lereh, Arso) und in Boven Digul (Korindo), alle übrigens mit äußerst niedriger Produktivität. Die Erfahrungen mit diesen bestehenden Plantagen sind schlecht: Überschwemmungen in Lereh, Menschenrechtsverletzungen in Arso und auf der Korindoplantage in Boven Digul, Verlust der Jagdgebiete, in der Folge Verarmung, Mangelkrankheiten und Hunger.

Zwischen Plantagenwirtschaft und Kahlschlag besteht ein enger Zusammenhang, für die Anlage einer Plantage MUSS der Wald komplett abgeholzt und Restholz sowie Wurzelwerk mit Feuer vernichtet werden. Nicht nur in Papua, auch auf Borneo und Sumatra besitzen die Palmölfirmen daher viel mehr Land, als letztendlich bepflanzt wird.

Im Januar 2007 schloss die indonesische Regierung den ersten großen, für Papua relevanten Vertrag ab. Der indonesische Konzern Sinar Mas soll eine Million Hektar Plantagen anlegen, der chinesische Ölmulti CNOOC die dafür notwendige Infrastruktur aufbauen. Als einen der Finanziers nannten die indonesischen Medien die deutsche KfW, Kreditanstalt für Wiederaufbau, bzw. deren privatwirtschaftliche Tochter DEG. (Inzwischen steht die Realisierung des Projekts auf wackligen Beinen: Die DEG scheint sich aus dem Projekt zurückgezogen zu haben, und Sinar Mas spricht von „Risiken“.)

Nichtsdestotrotz übt Jakarta starken Druck auf Papua aus, dem Expansionswillen nachzugeben. Auf der anderen Seite sind auch die Unternehmen an dem lukrativem Geschäft interessiert und verhandeln auf allen Ebenen: mit den Gouverneuren ebenso wie mit einzelnen Bupati. Geplant sind Megaplantagen an der Nordküste (Sarmi, Jayapura), im Vogelkopfgebiet (Manokwari, Sorong) und in den drei südlichen Kabupaten Merauke, Boven Digul und Mappi. Allein im Süden sollen drei Millionen Hektar entstehen, davon in Merauke 1,3 Mio. Hektar.

Papuas Wald soll Plantagen weichen

l Internationale Konglomerate sind bereits vor Ort

l Verträge auf drei Ebenen: Staat, Provinz, Distrikt

l „Zur Finanzierung der Infrastruktur“

l N: Sarmi, Jayapura

l S: Boven Digul, Mappi, Merauke

l W: Sorong, Manokwari

Die Planungen entstehen am grünen Tisch, wie mit dem Lineal. Unternehmen sind seit Mai 2007 vor Ort und versuchen, die Entscheidungsträger in Politik und auch Kirche zu überreden, wobei sie Investitionen im Schulwesen und Infrastruktur versprechen. In den letzten Monaten ist es einigen Unternehmen gelungen, sich die Landrechte über einige Zehntausend Hektar anzueignen. Die Bevölkerung hat kein Mitspracherecht. Die meisten wissen wahrscheiinlich nicht, was auf sie zukommt. Doch einige, wie die Indigenengruppe der Kanume in Merauke, wehren sich gegen den Verlust des Waldes und damit ihrer Landrechte.

Noch ist es fraglich, ob Megaplantagen im geplanten Umfang realisiert werden können. Auch die Unternehmen wissen, dass Investitionen in eine noch nicht bestehende Agroindustrie in einem Land mit wenig Infrastruktur und hohen sicherheitspolitischen Gefahren ein wirtschaftliches Risiko darstellt. Doch eins ist sicher: Die letzte Aufteilung des Kuchens Wald hat jetzt begonnen.

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